Donnerstag, Mai 14, 2009

Urheberrecht vs. Share Economy

Das Wesen des Internets ist das Teilen von Inhalten. Doch sobald mit den Inhalten anderer unrechtmäßig Geld verdient wird, stellt sich doch die Frage, ob man es mit dem Teilen nicht auch ein bisschen übertreiben kann.

Unter dem Titel „Share Economy - Das Wesen des Hyperlink“ schrieb Roland Kühl-v.Puttkamer vor kurzem in seinem, im deutschsprachigen Raum sehr bekannten Werbeblog eine Reminiszenz an den geteilten Inhalt. Laut seinen Aussagen (und der allgemein geltenden Meinung vieler Netznutzer) sind die einfachen Querverweise das Um und Auf sowie der eigentlich Vorteil des Mediums Internet. Durch fundierte Quellenangaben und Verlinkungen ist es leichter, eigene Gedankengänge faktisch zu untermauern; Leser haben dadurch die Möglichkeit, Fehlmeldungen leichter zu durchschauen. Hyperlinks bieten die Möglichkeit, gute Texte, exzellente Schreiber und intelligente Gedanken schnell weltweit zu verbreiten. Das Web gibt jedem eine öffentliche Bühne - man muss sie nur zu nutzen wissen.

In seinem Text prangert Roland Kühl-v.Puttkamer vor allem das Verhalten vieler großer Verlage an. Diese würde sich noch immer dagegen sträuben, das Prinzip der Verlinkung in ihre Onlinearbeit einzugliedern. Es widerspricht gewissermaßen ihrer etwas verstaubten Idee von Print-Journalismus. Wie mit den eigenen Inhalten Geld verdienen wenn man zur selben Zeit auf die Konkurrenz verweist?

Dieser Problematik ist sich auch Kühl-v.Puttkamer bewusst: "Es stellt sich in diesem Zusammenhang auch überhaupt nicht die Frage, ob die Arbeit der Journalisten, Redakteure und Korrespondenten bezahlt werden sollte." Eine Aussage, die wohl Mensch, der in diesem Bereich tätig ist, unterschreiben würde. Eine Aussage, die dennoch kritisch hinterfragt werden sollte:

Auf der einen Seite ist sie das Bekenntnis dazu, das nur jemand, der für ein Medienhaus arbeitet, auch dafür entlohnt werden sollte. Denn wer sollte denn die vielen unabhängigen Blogger bezahlen, die oft viel direkter an der Information dran sind und - wenn auch nicht immer besser - zumindest aktueller schreiben können. Auf der anderen Seite klammert er einen weiteren großen Bereich aus, der neben dem Text für die Weitergaben von Information mindestens genauso, wenn nicht sogar ungleich wichtiger ist: die Arbeit der Fotografen. Bilder können Inhalte viel schneller vermitteln, denn sie werden vom Gehirn schneller und direkter verarbeitet als es die Abstraktion durch Buchstaben jemals erreichen könnte.

Und so passt es auch wunderbar in die etwas schräge Optik, dass sich Roland Kühl-v.Puttkamer gerade für diesen Artikel unrechtmäßig eines Bildes von flickr.com bedient. Zwar hat er im Sinne seiner Forderungen nach mehr Verlinkung im Netz dieses auf seine Quelle verlinkt, jedoch alle weiteren Urheberrechte und konkrete Quellenangaben sträflich missachtet. Denn der Fotograf - in diesem Falle ich – bietet beinahe alle seine Bilder unter einer Creative Commons Lizenz an. Und diese Lizenz besagt, dass die Werke dann honorarfrei genutzt und sogar bearbeitet werden dürfen, wenn dies nicht aus kommerziellen Zwecken geschieht, der Name des Urhebers genannt wird und die gleiche Lizenzierung weiter besteht.

Ob der Werbeblog als kommerzielles Projekt zu sehen ist bleibt wohl eine Streitfrage. Immerhin kostet eine einwöchige Bannerschaltung stolze € 990 zzgl. MwSt. Aber die Nutzung der Werke anderer ist in dieser Form auf jeden Fall ebenso zu verurteilen wie es der Autor mit denjenigen tut, die sich den neuen Formen der Publikationspraxis gänzlich verschließen.

Links & Webtips: P.S.: so würde es richtig gehen:
stacheldraht
Foto: a_kep / cc_pics Bestimmte Rechte Vorbehalten

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